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Beikoststart – ja, nein, vielleicht!?

26. Januar 2018
Beikost - Von Muttermilch und Zufüttern - Brei, BLW oder Stillen

Brei, BLW oder Vollstillen

Irgendwann ist es soweit und im Leben junger Eltern stellt sich unweigerlich die Frage, wie das Baby (weiterhin) gedeihen soll. Die ersten Lebensmonate ist diese Frage leicht zu beantworten: entweder wird es gestillt oder bekommt die Flasche. Soweit so gut. Doch nach dem 4. Monat kann es prinzipiell weitergehen, wenn man es als Eltern (und Baby) denn möchte. Dann kann es losgehen mit der ersten festen Nahrung. Fest bedeutet hier natürlich noch nicht Pommes und Schnitzel, sondern zunächst Gemüse, später in einer Mischung mit Kohlenhydraten, wie etwa Kartoffeln zu Brei püriert.

Was ist denn jetzt das Beste für mein Kind?

Doch was der ideale Weg ist, den es zu beschreiten gilt, kann man schwer sagen. Nur so viel: Ihr werdet mit eurer Entscheidung nicht nur auf Wohlwollen und Zustimmung treffen. Denn jedes Elternpaar hat eigene Ansichten, was das Beste fürs Kind ist und seinen ganz eigenen Weg, den es gehen wird. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass es tolerante Menschen gibt, die akzeptieren, dass andere es im Zweifel anders angehen, nicht ihre Meinung vertreten. Und dann gibt es diese, die verurteilen, weil sie meinen, nur ihr Weg ist der einzig wahre. Wir sollten versuchen, nicht immer gleich zu verurteilen, sondern die Absichten hinter bestimmten Wegen zu erkennen. Jedes Elternpaar versucht für sich und sein Baby den besten Weg zu finden, sich für die beste Möglichkeit zu entscheiden. Dass sollten alle akzeptieren und im Idealfall doch eher als bereichernd wahrnehmen. Denn wenn andere es anders machen, kann man selbst vielleicht noch etwas dazulernen.

Ich drücke euch in jedem Fall die Daumen, dass ihr vor allem auf tolerante Gegenüber trefft. Und wenn nicht, lasst euch nicht beirren, ihr seid die Eltern und werdet für euch und euer Baby ganz intuitiv den richtigen Weg wählen (sofern auch ihr selbst es zulasst, auf eure Intuition zu hören).

Tja, und nun?

Ich möchte euch gern eine kleine Hilfestellung in Form eines kleinen Überblicks über mögliche Wege geben, die ihr gehen könnt. Natürlich erfolgt die Aufstellung nach bestem Wissen und Gewissen und ersetzt keineswegs ein fachliches Gespräch mit Arzt oder Hebamme. Gerade wenn es um Besonderheiten beim Einzelnen geht, solltet ihr unbedingt auch ein Gespräch mit diesen Instanzen einplanen. In der Regel aber ist ein Beikost-Gespräch mit der Hebamme nach einigen Wochen obligatorisch, falls nicht, fordert es auf jeden Fall ein, wenn ihr noch unsicher seid.

Ernährung im ersten Lebensjahr

Mutter- oder Flaschenmilch

Aller Anfang ist einfach – und damit meine ich nun, weiß Gott, nicht den Stillstart an sich, sondern die Tatsache, dass es zunächst Mutter- oder Ersatzmilch gibt (und somit recht klar ist, was das Baby zunächst konsumiert). Die Muttermilch ist maßgeschneidert und enthält alle wichtigen Nährstoffe und Mineralien, die das Baby in den ersten Lebenswochen und -monaten benötigt (die Ersatzmilch kann zwar nicht eins zu eins mit der natürlichen Milch aus Mamas Busen mithalten, ist aber eine gute Alternative, wenn es mit dem Stillen nicht klappt oder es nicht gewünscht ist). Das Beste an der Muttermilch: Sie ist ein Alleskönner, denn sie passt sich stets an die Bedürfnisse des Babys an, beispielsweise wenn es krank ist oder aufgrund sehr warmer Temperaturen mehr Flüssigkeit zum Stillen seines Durstes benötigt. Und auch wenn das Baby wächst und stetig mehr Hunger bekommt, produziert der Körper nach und nach mehr Milch für das Baby. Interessant ist auch, dass die Mama (unbewusst) den Geschmack der Muttermilch beeinflusst, denn je nach dem, was sie isst, verändert sich auch die geschmackliche Zusammensetzung der Muttermilch. Und das hat einen wichtigen Grund, denn so werden bereits erste Geschmackssinne des Babys gefördert und ausgeprägt.

Es gibt Hebammen, die die Meinung vertreten, dass es nicht nur in Ordnung, sondern wesentlich besser für das Baby ist, bis zum ersten Lebensjahr voll gestillt zu werden. Dem gegenüber stehen Ärzte und HebammenkollegInnen, die energisch mit dem Kopf schütteln, wenn sie davon hören, da sie wiederum meinen, dass ab einem gewissen Zeitpunkt die Muttermilch nicht mehr ausreicht, um das Baby satt und mit allen wichtigen Stoffen versorgt zu bekommen. Ein richtig oder falsch gibt es hierbei wohl nicht. Es kommt auf die einzelne Situation an.

Die wichtigste aller Fragen ist dabei in erster Linie, ob ihr genügend Milch produziert, um euer Baby satt zu bekommen. Gefolgt von der Frage, ob eure Muttermilch auch weiterhin genügend Nähr- und Mineralstoffe enthält, um das Baby rundum versorgen zu können. Am einfachsten ist dies über ein regelmäßiges Wiegen festzustellen. Nimmt das Baby weiterhin zu, fehlt es ihm offensichtlich zunächst an nichts. Dennoch solltet ihr beim Wunsch, längst möglich voll zu stillen und nicht zuzufüttern, auch noch einmal das Gespräch mit einem Arzt oder einer Hebamme suchen, um euch ganzheitlich zu informieren und gegebenfalls über mögliche Risiken sprechen zu können (denn jeder Mensch, ob Mama oder Baby, ist anders und in manchen Fällen bedarf es vielleicht besonderen Vorgehens). Spricht medizinisch nichts dagegen, könnt ihr, sofern ihr das möchtet, stillen, bis ihr und/oder euer Baby sich bereitfühlen, den nächsten Schritt zu gehen.

Mama und Kind auf dem Sofa_Stillen_Muttermilch

B(r)eikoststart

Grundsätzlich gilt inzwischen der Ansatz, dass ein Baby nach Möglichkeit mindestens 6 Monate vollgestillt werden sollte (Empfehlung der WHO und es Bundesinstituts für Risikobewertung), dann kann/soll mit dem Beikoststart begonnen werden. Nun gibt es natürlich ausreichend Fälle, da reicht die Muttermilch nicht so lange vor, die Mama möchte nicht so lange vollstillen oder aber es wurde von vorherein gar nicht gestillt. Dann kann auch bereits nach dem 4. Monat mit der Beikost gestartet werden. Vorher sollte dies jedoch nicht erfolgen, da der kleine Magen-Darm-Bereich einfach noch nicht reif genug ist, die ’neue‘ Nahrungsform aufzunehmen. Außerdem sollte wiederum nicht später als zu Beginn des 7. Monats begonnen (und im Idealfall parallel weitergestillt werden).

Laut Wissenschaft ist es sogar besonders wertvoll zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat mit der Beikost in Form von Gemüsebrei zu starten, denn die ersten kleinen Mengen der ‚neuen‘ Nahrung wirken wie eine Impfung auf das Baby. Durch die langsam und stetige Einführung immer neuer Lebensmittel gewöhnt sich das Baby nach und nach an die neuen Stoffe. Der kleine Körper bekommt so die Möglichkeit, das Risiko von Allergien, Unverträglichkeiten und Zöliakie zu senken. Verstärken kann man diesen Effekt, wenn parallel weiter gestillt wird, denn die Kombination aus Breieinführung und Muttermilch verstärkt den Effekt der Kräftigung des kleinen Körpers besonders. Weiterhin ist eine Beikosteinführung in diesem Zeitraum ratsam, da der Eisenvorrat des Babys sich zunehmend erschöpft und durch die Muttermilch kaum neues Eisen zugeführt wird. Das Baby benötigt also langsam eigene Möglichkeiten, den Eisenhaushalt neu aufzubauen. Das gelingt vor allem durch Fleisch, aber auch Vollkornprodukte (Hafer oder Hirse etwa) sind hervorragende Eisenlieferanten.

Und das Beste? Für eine wirksame Entfaltung dieser positiven Aspekte muss nicht gleich abgestillt werden. Bereits kleine Mengen, einige Löffel, reichen zu Beginn vollkommen aus.

Baby Led Weaning

Wenn ihr jetzt denkt “Häh?“, dann seid ihr vermutlich nicht allein. Die Bezeichnung ist zunächst möglicherweise etwas irreführend oder schlichtweg unbekannt. Vielleicht habt ihr es aber auch schon gehört, konntet es aber bislang noch nicht recht einordnen. Im Prinzip geht es aber einfach nur darum, nicht damit zu beginnen, das Baby mit Brei in die Welt der Nahrungsmittel aufzunehmen, sondern direkt durch Fingerfood in Form fester Lebensmittel.

Streng genommen gilt hier die Devise, dass sich das Baby selbst abstillt und dann direkt zur festen Nahrung übergeht. Also nichts mit Löffeln, denn das Baby entscheidet selbst, was es essen möchte. Die Wissenschaft ist sich jedoch einig, dass dieser Vorgang in der Regel nicht vor dem 8./9. Monat der Fall ist. Daher passt diese Methode besonders gut, wenn ihr vorhabt, längst möglich voll zu stillen und evtl. sogar kein großer Freund der Brei-Methode seid. Wie bereits beschrieben, gibt es Stimmen, die sagen, dass die alleinige Gabe von Muttermilch über den längstmöglichen Zeitraum nicht optimal ist, das Baby nicht rundum versorgt wird und somit auch diese Methode für sich betrachtet nicht gut ist. Lasst euch beraten (!), wenn das Baby nur mit ;uttermilch weiterhin zunimmt, ihr euch damit gut fühlt und es keine äußeren Parameter gibt, die dagegensprechen, könnt ihr voll stillen und diese Methode durchaus für euch wählen.

Solltet ihr scgließlich tatsächlich mit dieser Methode beginnen wollen, euer Baby an Nahrungsmittel zu gewöhnen, ist es ratsam auch hier mit Gemüse und dieses am besten gedünstet, zu starten. So kann sich der kleine Magen ebenfalls zunächst an besser verdauliche Lebensmittel gewöhnen. Die Dünstung macht das Gemüse außerdem weicher und kann so besser vom Baby verarbeitet werden. Aber wie auch beim Brei mag nicht jedes Baby das Gleiche, macht euch also nicht verrückt, wenn es die Karotte verschmäht, aber Banane liebt. Dann startet ihr eben anders. Außerdem muss ein Baby ein Lebensmittel mitunter bis zu 15 Mal probieren, bis es ihm schmeckt.

Solltet ihr euch ausschließlich für die BLW-Methode entscheiden, solltet ihr euch vorab auf jeden Fall gut informieren, was alles nötig ist, sodass euer Baby auch auf die Weise satt und glücklich wird 🙂

Selbstredend: Immer schön dabeibleiben, wenn ihr eurem Baby (feste) Nahrung anbietet, um mögliches Verschlucken zu verhindern!

Alles kann, nichts muss

Ihr seht, die Möglichkeiten sind vielfältig. Alles kann, nichts muss. In Sachen Lebensmitteleinführung gibt es meiner Meinung nach kein richtig und kein falsch. Das wäre etwas arg schwarz-weiß gedacht. Wichtig ist nur, dass wie ihr euch auch entscheidet, ihr euch zum einen gut informiert und im Zweifelsfall auch noch einmal Rücksprache mit dem Kinderarzt oder eurer Hebamme haltet, ob das in eurem Fall alles so möglich ist. Dabei solltet ihr aber versuchen, darauf zu beharren, dass es um die Abklärung äußerer Faktoren (Sättigung, Nährstoffversorgung, Gesundheit, Entwicklung) und nicht persönlicher Meinungen geht. Lasst euch nicht verunsichern und nur von eurem Wunschweg abbringen, wenn es für euch und euer Baby das Beste (/Gesündeste) ist. Ihr seid Mama und Papa und macht daher intuitiv schon vieles richtig. Lediglich bei Krankheiten, Entwicklungsstörungen oder sonstigen Einflüssen, die ihr nicht ändert könnt, solltet ihr selbstverständlich zu Gunsten eures Babys handeln und von Plänen absehen, die für euch nicht aber euer Baby einen idealen Weg bedeuten würden.

Ihr habt Fragen oder weiteren Input zu diesem Thema? Dann hinterlasst mir doch gern einen Kommentar hier unter diesem Beitrag. Ich freue mich auf eine (kontroverse) Diskussion.

Habt es fein ihr Lieben,

Finja

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