Mum Life

Stillen – (m)eine Herzensangelegenheit

30. November 2017
endlich eine glückliche Stillbeziehung

Von anfänglichen Schwierigkeiten und wie wir ihnen begegneten

Bereits in meiner Schwangerschaft war mir klar: „Ich möchte stillen, unbedingt“. Und ich wusste, ich würde alles tun, was in meiner Macht stand, um stillen zu können. Dass es dann vielleicht wirklich nicht funktionieren könnte, wollte ich mir nicht ausmalen. Zu groß war der Wunsch, meinem Kind die beten Voraussetzungen mit auf den Weg zu geben. Schließlich ist doch hinlänglich bekannt, dass Stillen die beste Versorgung für unsere Babys darstellt. Und bitte versteht mich nicht falsch, ich akzeptiere, wenn Frauen nicht stillen möchten (nicht stillen zu können, ist noch einmal ein anderes Thema).

Aber um direkt darzulegen, worum es in den folgenden Zeilen gehen soll: Ich möchte meine Erfahrung teilen. Euch mitteilen, wie das Stillen bei uns begann und sich über die Monate entwickelte. Keineswegs möchte ich Ängste schüren oder etwas dergleichen. Gleichwohl hoffe ich, dass ich auch Mut machen kann. Mut, durchzuhalten und Vertrauen in sich und sein Baby zu haben. Nicht immer, aber oft wird dann doch alles gut.

Ein holpriger Start

Nach einem etwas holprigen Start in unsere eigene kleine Stillgeschichte, was nicht zuletzt an einer missglückten Hilfestellung durch die Hebamme direkt nach der Geburt im Krankenhaus lag, waren wir zunächst ein ziemlich gutes Team. Vermeintlich zumindest. Ich fand in zwei sehr lieben und kompetenten Krankenschwestern tolle Unterstützung in Sachen Stillen und so konnte mein Kleiner nach zwei, drei Tagen sehr gut an meiner Brust trinken. So gut, dass er die Tage in der Klinik stets um sein Geburtsgewicht pendelte, also kaum an Gewicht verlor, wie es gar nicht so untypisch ist für Neugeborene. Mit gerade einmal 40 Gramm weniger durften wir nach fünf Tagen nach Hause.

Mama küsst Kind  beim stillen

Vom Zelebrieren und dem flauen Gefühl im Magen

Ich war selig, tagein tagaus stillte ich mein Kind. Ich zelebrierte es, das Stillkissen um mich herum zu drapieren, den Kleinen anzulegen und ihn dann während des Trinkens zu beobachten. So niedlich, so friedlich sah er immer dabei aus. Meine Hebamme kam die erste Woche täglich, dann alle zwei Tage. Nach etwa zwei Wochen, ich war bester Dinge, hatte an dem Tag Besuch meiner Eltern und Oma im Haus, absolvierten meine Hebamme und ich den regelmäßigen Besuch im Schlafzimmer, etwas zurückgezogen vom Trubel. Beim Wiegen auf einmal dieser merkwürdige Blick. Ich war verunsichert, fragte nach, ob etwas nicht stimmte, fühlte dieses flaue Gefühl in meinem Magen aufkeimen. Langsam erscheine es ihr doch etwas komisch, dass der kleine Mann noch immer nicht wirklich zunimmt, noch immer um sein Geburtsgewicht schwankt. Immerhin nehme er nicht ab, das wäre schon mal ein Vorteil, meinte sie noch. Doch nun wollte sie Gewissheit und so führten wir eine Stillprobe durch: vor dem Stillen, nach der linken und noch einmal nach der rechten Brust. Und da war sie – die Gewissheit. Mein Kind trank zu wenig. Zwar legte ich ihn relativ oft an, 8 bis 10 Mal am Tag, aber hochgerechnet reichte die Menge, vorausgesetzt, er würde bei jeder Mahlzeit mindestens so viel trinken, nicht aus um an Gewicht zuzulegen.

Mit 40ml pro Mahlzeit auf Dauer zu wenig

Wir lagen bei etwa 20ml pro Seite, also 40ml pro Mahlzeit. Normalerweise hätte er jedoch bei um die 80ml liegen müssen. Wie sich das berechnet? Man spricht von etwa einem Fünftel des Körpergewichts. Also bei rund 3000 Gramm sollte ein Kind am Tag ca. 500-600ml trinken. Bei durchschnittlich 9 Einheiten á 40ml lagen wir jedoch einiges darunter (360-400ml). Zwar war es nicht so wenig, dass er stetig an Gewicht verlor, aber eben immer nur genau so viel, dass er sein Geburtsgewicht hielt.

Weltuntergangsstimmung

Für mich brach eine Welt zusammen. Prompt machten sich Gefühle des Versagt-habens breit. Kann ich überhaupt eine gute Mama sein, wenn ich es nicht einmal schaffe, mein Kind satt zu bekommen? Und kann ich überhaupt eine gute Mama sein, wenn ich nicht mal gemerkt habe, dass mein Kind nicht ausreichend isst? Geht das dann überhaupt zusammen?

Mama und Baby innig beim stillen

Die Antwort ist klar: Natürlich geht das. Heute weiß ich das. Heute weiß ich, dass ich dennoch eine gute Mama bin. Auch wenn ich es nicht im Gefühl hatte, dass da etwas nicht ganz stimmte. Inzwischen habe ich mein Selbstvertrauen wieder zurück, das Vertrauen in mich persönlich, aber auch das Vertrauen in mich als Mama. Aber es war ein Prozess… Am Anfang stand also der Selbstzweifel. Denn nun kamen harte Wochen auf uns zu. Tagein, tagaus – nach jeder(!) Mahlzeit hieß es nun zunächst auf Anraten der Hebamme und schließlich auch mit Bestätigung der Kinderärztin, abpumpen (denn wir ließen den Kleinen gleich am nächsten Tag auch von der Ärztin durchchecken, nicht dass organische Ursachen für das verminderte Trinkverhalten unseres Schatzes verantwortlich sind. Dem war zum Glück nicht so).

Handpumpe vs. elekrtrische Pumpe

Versuchte ich es in der ersten Nacht noch mit einer Handpumpe, ließ ich mir am Folgetag von der Kinderärztin bereitwillig eine elektrische Pumpe verschreiben. Mit einem Rezept vom Kinderarzt oder eurem Gynäkologen könnt ihr für dei Dauer von vier Wochen eine elektrische Handpumpe aus der Apotheke entleihen (und mit einem Folgerezept auch soweit nötig verlängern). Bei mir lief das Ganze ohne weitere Zuzahlung ab. Ich bekam bei meiner Apotheke die Medela Pumpe, welche ich sehr empfehlen kann. Sie ist leicht zu bedienen und macht einen wirklich guten Job. Vermutlich haben daher viele Kliniken ebenfalls diese Pumpen in Gebrauch.

Nach JEDER Mahlzeit pumpen

Fortan tönte also das monotone „pfft, pfft, pfft“ durch unsere Wohnung. Tagsüber im Wohn-, nachts im Schlafzimmer. Ja genau, nach jeder Mahlzeit bedeutete nun also auch nachts. Und ich muss ehrlich zugeben, es war eine Tortur. Körperlich und seelisch. Denn das ständige Gepumpe gepaart mit dem nun recht unpersönlichen Stillen ging an die Substanz. Mir fehlte das ausgiebige Kuscheln direkt nach dem Stillen, denn das Abpumpen schloss sich immer unmittelbar an. Schließlich wollte ich, dass genug Zeit bis zum nächsten Stillen dazwischen lag, sodass sich wieder möglichst viel Milch für den Kleinen nachbilden konnte. Und nachts führte das Abpumpen natürlich zu noch weniger Schlaf. Während der Kleine sich bereits wieder ins Traumland verabschiedete, saß ich noch da und versuchte möglichst viel Milch aus mit herauszuholen. Und auch körperlich ist das ewige Abpumpen alles andere als ein Spaziergang. Zwar sind die elektrischen Pumpen ziemlich effizient, aber natürlich lang nicht so, wie ein Baby es normalerweise ist. Die Saugglocken der Pumpen ziehen die Brustwarzen immer im gleichen Rhythmus an und spalten sie dabei immer wieder auf, sodass wunde Brustwarzen und zum Teil (bei mir der Fall) auch schmerzende Vorhöfe und ganze Brüste die Folge sind. Das Problem liegt vor allem darin, dass die Brüste, Brustwarzen und Warzvorhöfe nicht einfach nur weh taten, vor allem die Warzen und ihre Vorhöfe schmerzten einfach sehr, wenn ich den kleinen Mann anlegte. Fortan war also immer schon etwas Sorge vorm nächsten Stillen da.

strahlende Mama beim stillen

Eiserner Wille und größter Wunsch

Und dennoch war es mein größter Wunsch, den kleinen Murkel zu stillen. Ich hatte den eisernen Willen, es zu schaffen. Und wie mir meine Hebamme später anerkennend mitteilte, erlebt sie es nur äußerst selten, dass eine Frau, eine frischgebackene Mama, so stark ist und ihrem Wunsch so treu bleibt.

Doch woran lag es, dass mein Kind nicht genug trank? Er gehörte eben eher zur Fraktion gemütlich und etwas bequem, aber wohl auch etwas schwach. Denn er trank zwar bei jedem Anlegen, schlief dann aber irgendwann immer ein. Man könnte meinen, ich hätte ihn ja einfach wecken können und weitergehts. Aber so einfach ist das leider nicht. Er war ko und ausgepowert und brauchte das Schlafen erst einmal, um wieder zu Kräften zu kommen.

Mama betrachtet Baby liebevoll beim stillen

6 Wochen Still-Odyssee

Gut zwei Wochen pumpte ich Tag und Nacht ab. Die folgenden Wochen reduzierte ich zunehmend auf nur noch einmal nachts, dann irgendwann nur noch morgens, mittags und abends bis hin zu nur noch morgens und abends und schließlich nur noch morgens, bis wir es ganz ließen. Seitdem steht die Pumpe für den Fall der Fälle im Schlafzimmer, wurde aber glücklicherweise bisher nicht mehr benötigt.

Das Stillen pendelte sich, wie von meiner Hebamme vorausgesagt, ein. Und das Abpumpen regte den Milchfluss an, sodass vorerst genug für den Kleinen kam. Aber daran hatte ich nicht immer geglaubt. Weiß Gott nicht, nein. Ich hatte oft Angst, dass es nicht klappen würde und er am Ende ein Flaschenkind werden würde. Aber bis heute – und er ist inzwischen etwas über 4 Monate alt – wird er vollgestillt. Und selbst wenn wir ihm mal etwas Pre-Milch anbieten, er lehnt sie inzwischen strikt ab.

Um eine Erfahrung reicher

Heute bin ich um eine Erfahrung reicher. Oder vielleicht sogar noch um einige mehr. Beim nächsten Kind würde ich es ähnlich und doch ganz anders machen. Ich wäre in jedem Fall nicht mehr so überrumpelt, wenn es erneut heißen würde, dass ich abpumpen müsste. Ich würde die Herausforderung (wieder) annehmen und meinem persönlichen Endgegner (dem Stillproblem) mit vollem Kampfgeist gegenübertreten und alles geben, um ihn zu besiegen.

Für mein Baby, für mich, für unsere ganz persönliche Stillbeziehung.

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An dieser Stelle möchte ich mich noch bei meinem aufopferungsvollen Mann bedanken, der tagein tagaus nicht nur die helfende Hand an meiner Seite war, sondern mein Fels in der Brandung. Er reichte mir Taschentücher, bot mir seine schützenden Arme, sowie immer wieder seine lieben, mutmachenden und aufmunternden Worte zum Trost an. Danke, mein Schatz!

Mama und Kind auf dem Sofa beim stillen

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Aber dies ist lediglich mein Stillproblem. Es gibt natürlich auch noch andere. Zu viel Milch zu haben zum Bespiel. Ihr denkt, das wäre eine Luxusproblem!? Weitgefehlt. Schaut doch mal bei der lieben Frauke von ekulele vorbei, denn bei ihr trat genau dieses Problem auf. In ihrem Blogpost beschreibt sie ihre Situation und auch, wie es ihr damit ergeht.

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