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#lifeisbetteratthebeach – Teil 2 des Usedom-Reiseberichts

13. November 2017
Weg nach Swinemünde

Im September ging es für den Kleinen das erste Mal in den Urlaub. In einen Kurzurlaub, um genau zu sein. Denn wir, der Kleine und ich, fuhren mit meinen Eltern für ein paar Tage an die Ostsee. Es ging nach Ahlbeck auf Usedom. Den ersten Teil unseres Reiseberichts findet ihr bereits hier. Heute soll nun der zweite Teil folgen.

Boot am Strand

Tag 2: Auf nach Swinemünde

Für unseren zweiten vollen Urlaubstag haben wir uns die polnische Seite Usedoms ausgesucht und so hieß es nach dem mein Papa wieder frische Brötchen geholt und wir wieder ein ausgiebiges Frühstück genießen konnten: „Auf nach Swinemünde“. Auch dieser Tag war wieder gesegnet mit bestem Wetter. Aber ehe wir dieses und den Ausflug genießen konnten, ging es für mich erst einmal in die Apotheke, denn der Kleine röchelte die Nacht über ganz schön. Und da ich etwas flexibler sein wollte (als mit dem Abpumpen und Tröpfeln mit Muttermilch) holte ich aus der Apotheke Meerwassertropfen speziell für Säuglinge. Und die haben sich sehr bewährt – sind super praktisch in der Anwendung und sehr gut verträglich, zumindest bei unserem Kleinen.

Herrlichstes Spätsommerwetter

Auf dem Weg nach Swinemünde und überhaupt auch den Rest des Tages begleitete uns herrlichstes Spätsommerwetter. Wir nutzten auch für diesen Tagesausflug die Uferpromenade, die von Ahlbeck nicht nur in Richtung der deutschen, sondern auch in Richtung der polnischen Inselseite sehr gut ausgebaut ist. Entlang der Promenade ist in diese Richtung allerdings ein etwas anderes Bild zu verzeichnen. Anfangs noch ebenfalls mit sanierten Bauten aus der Kaiserzeit und danach gesäumt, kommen immer mal neuere Gebäude (etwa aus der DDR-Zeit) zum Vorschein, die einen wesentlich pragmatischeren Stil verfolg(t)en. Leider sind einige dieser neugebauten Hotels auch (scheinbar) seit ihrer Errichtung nicht mehr so richtig auf Vordermann gebracht worden. Graue, abgenutzte Fassaden und der ehemalige Schick vergangener Jahrzehnte stehen hier neben schicken Altbauvillen. Aber das muss letztendlich natürlich nicht viel heißen, denn wie diese Gebäude von Innen aussehen, kann ich nicht beurteilen…

Ab durch den Wald

Statt „ab durch die Hecke“ heißt es auf dem Weg von Ahlbeck nach Swinemünde mit einem Mal „ab durch den Wald“. Inmitten zahlreicher Kiefern läuft man entspannt die verlängerte Uferpromenade Richtung polnische Inselseite. Auf der einen, wesentlich breiter ausgebauten Seite (wie aber entlang der gesamten Uferpromenade) ist Platz für Radfahrer und auf der schmaleren Seite Platz für die Fußgänger. Trotz der Umstände, dass es bereits Ende September ist und viele der Touristen eher gehobeneren Alters sind, sind verhältnismäßig viele auf diesem Wegabschnitt unterwegs. Allerdings deutlich mehr Radfahrer als Fußgänger und dabei sind viele elektrisch angetrieben. Aber nichts desto trotz…

Waldabschnitt nach Swinemünde

 

Auf halber Strecke kurz vor dem Grenzübergang gibt es auf der einen, zum Meer gerichteten Seite ein Toilettenhäuschen und zur anderen führt ein Pflastersteinweg in den Wald hinein. Diesen sollte man unbedingt bestreiten, wenn man etwas Besonderes sehen möchte: die Sandwelten. Dort entlang gelangt man nämlich zu einem großen Platz auf dem jährlich viele Künstler aus einfachem Sand die tollsten Skulpturen oder besser gesagt Kunstwerke zaubern. Aufgrund der Zeit haben wir uns allerdings dieses Mal gegen einen Besuch der Ausstellung entschieden und mit dem wegweisenden, aber nicht minderbeeindruckenden Skulpturen in Ahlbeck und Swinemünde begnügt. Für alle, die sich diese Skulpturen aber gern einmal ansehen wollen, geöffnet ist von 10 – 18 Uhr; der Eintritt liegt bei 8.50 Euro pro Person (Stand September 2017).

Sandskulptur in Swinemünde

Aber auch am Rande des Weges ließen sich ganz ohne Gebühren tolle Skulpturen finden, denn wie aus dem Märchen standen dort kunstvoll gewachsene Kiefern inmitten der doch überwiegend geraden Bäume. Ich war total fasziniert, vor allem da ich eine Schwäche für Bäume habe 😉 Klingt erstmal komisch, ist aber so. Ich finde einfach Bäume sind unglaublich tolle Pflanzen und vor allem ganz wunderbare Photoobjekte. Und so ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, ein paar Bilder dieser Gewächse anzufertigen.

Wildwuchs Kiefer

Aber warum sind die Kiefern hier so hübsch verwachsen, anstatt Kerzengerade, wie man sie in der Regel kennt? Es liegt wohl daran, dass Kiefern nur so Bleistiftartig noch oben wachsen, da sie in der Regel eng bei eng gesetzt werden. Lässt man ihnen hingegen etwas Raum drum herum, so wird auch aus ihnen eine eher klassischere Baumform (unten ein mehr oder weniger gerader Stamm und oben eine Art ausufernde Baumkrone).

Swinemünde – Schönheit mit Potential

Swinemünde ist definitiv eine Schönheit mit Potential. Viele der an der in den Ort hinein verlaufenden Uferpromenade gelegenen Bauten sind, wie auch auf deutscher Seite sehr schön, aber anders als beim Nachbarn teilweise noch nicht aufwändig saniert worden. Allerdings lassen sich hier noch viele Schätzchen ausmachen. Und sicher wird es auch nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch hier alles wie aus dem Ei gepellt erstrahlt. Aber wie gesagt, maßgeblich, denn dazwischen stehen natürlich auch schon neu zurecht gemachte Touristenunterkünfte. Und das gleicht sich, deutsch wie polnisch – auch hier wohnen in erster Reihe keine Einheimischen. Ein aber doch recht großer Unterschied zur deutschen Inselseite: Sind es auf deutscher Seite vornehmlich Hotels oder Gästehäuser, stehen hier etliche Kur-Einrichtungen nebeneinander. Sicher liegt es schlichtweg daran, dass die Löhne und somit auch die Ausgaben für die Touristen in Polen deutlich günstiger sind, als auf der deutschen Seite. Und so kommen zahlreiche Patienten nach Polen und lassen sich hier behandeln.

Hafen Swinemünde

Hafen Swinemünde Grün

Wir verließen recht bald die Uferpromenade und liefen Richtung Stadtzentrum. Das war richtig schön, denn hier hatte man recht schnell die Möglichkeit in das natürliche Swinemünde einzutauchen. Unmittelbar nach der zweiten Reihe, die ebenfalls noch viele Hotels und Kureinrichtungen beherbergte, begann das eigentliche Städtchen. Schulen, ein Gefängnis, Parkanlagen, Supermärkte, Geschäfte des täglichen Bedarfs. Super interessant fanden wir, dass es in Polen (zumindest aber in Swinemünde) noch Schuster, Pelzmacher und dergleichen gab. Berufe, die sich in Deutschland gar nicht mehr rentieren würden. Nach etwa einer viertel Stunde Fußweg kamen wir auf den Marktplatz. Dank des tollen, sonnigen Wetters waren alle Tische im Freien bereits von hungrigen Gästen besetzt. So entschieden wir uns für ein kleines Lokal in einer angrenzenden Seitenstraße.

La Mer

Das „La Mer“ findet ihr in der Bohaterów Września 82, 72-600 Świnoujście, Polen oder auf Facebook. Leider gab es nur Tische im Schatten und da es hier recht stark windete, nahmen wir also drinnen Platz. Bedauerlicheweise habe ich versäumt Bilder der Einrichtung zu machen, aber man kann wohl behaupten, dass die Inhaberin hier ihren persönlichen Mädchentraum verwirklicht hatte. Verschnörkelte Spiegel, große, verspielte Kronleuchter. Violett, weiß und schwarz, sowie Gold waren die dominierenden Farben. Die Sitzgelegenheiten, Bänke wie Stühle, waren mit violettem Samt bezogen und sehr gemütlich. Die Speiskarte im La Mer ist übersichtlich, was ich immer sehr positiv finde. Lieber wenige sehr gute Gerichte, als viele und alle nur so mittelmäßig. Zudem kann man die Karte hier neben der polnischen auch in deutscher Sprache bekommen, was das Auswählen deutlich vereinfacht. Wir entschieden uns alle drei für Fischgerichte und ich muss sagen, ich habe lange nicht so guten Fisch gegessen, wie hier. Solltet ihr also mal nach Swinemünde kommen, kann ich euch dieses kleine Cafe Restaurant eindeutig ans Herz legen. Nicht zuletzt auch wegen der sehr sympathischen Inhaberin, die immer wieder für ein kurzes Pläuschen zu haben war.

Fisch mit Bratkartoffeln und Salat

Hafen, Forts und Disneyland

Nachdem Mittagessen gönnten wir uns alle noch einen Cappuccino und weiter gings. Da der kleine Mann ebenso wie wir, satt und zufrieden war, schnappte ihn sich mein Papa und zog mit dem Kinderwagen von Dannen. Meine Mama und ich nutzten die Zeit und machten ein paar einheimische Geschäfte unsicher. Am Ende erstanden wir zwei Naketano-Strickjacken (eine für meine Schwester als Mitbringsel und eine für mich), zwei Pullis in Oversize für meine Mama und noch einen Steppmantel (INSTABILD verlinken) für mich. Schließlich trafen wir vier uns am Hafen wieder, wo wir zunächst alle ein leckeres Softeis genossen und von wo aus wir dann schließlich unsere Tour fortsetzten. Entlang am Swinemünder Yachthafen und zwei Forts (eines davon ist neben einer festen Ausstellung rund um die Geschichte des Forts auch eine kleine Cafe Bar, in der eine kleine Zusatzaustellung zeitgenössischer Kunst Platz fand) ging es durch ein kleines Waldstück, bei dem wir uns zunächst nicht sicher waren, ob Goggle Maps uns nun wohl richtig leitet. Aber doch, wir kamen schließlich am Ende der Uferpromenade heraus. Hier begrüßten uns zunächst einige Baustellen. Swinemünde ist also definitiv im Wandel und kann offensichtlich ebenfalls vom Ostsee-Boom profitieren (einen interessanten Beitrag zum Thema Boomregion Ostsee findet ihr HIER). Aber wir waren uns alle einig, dass was hier neumodern aus dem Boden gestampft wird (u.a. ein Hotel der Radisson Blue Reihe) sieht nicht nur aus, wie eine künstliche Planstadt, sondern versprüht leider auch wenig authentisches, gemütliche Flair. Aber das ist unsere Meinung. Denn es war voll, viele Touristen tümmelten sich in den zahlreichen Restaurants und Geschäften und schienen demnach gern dort zu verweilen. Insofern wird es angenommen und nicht jeder scheint dem Ganzen etwas distanziert gegenüberzustehen, so wie wir. Aber so etwas ist ja auch immer Geschmackssache. Immerhin bringt es Arbeitsplätze für die polnischen Bürger und einen erholsamen Urlaub für die Touristen. (Versteht mich nicht falsch, ich möchte das keineswegs abwerten! Es ist nicht die Art Urlaub, wie ich es mir vorstelle. Aber deswegen halte ich es keineswegs für schlechter oder veruteile diejenigen, die genau diese Art Urlaub bevorzugen. Jedem das seine. Ich hoffe nur, dass hier nicht nur die Touristen und Konzerne, sondern auch all die Angestellten auf ihre Kosten kommen!)

Yachthafen Swinemünde

Auf dem Rückweg

Nachdem wir uns die Plan-Touristen-Stadt noch etwas angesehen und ein wirklich leckeres Eis (Plan hin oder her, es war selbstgemacht!) genossen haben, ging es für uns zurück nach Ahlbeck – auf demselben Weg, auf dem wir auch gekommen waren. Wirklich herrlich so durch den Kiefernwald zu schlendern, die frische Luft – eine Mischung aus Baum und Meersalz – einzuatmen und dabei die angenehme Ruhe zu genießen. Am Abend, der Kleine war gestillt und müde, liefen meine Papa und ich noch einmal zum Strand hinunter, während meine Mum bei dem Jüngsten blieb und diesen bespaßte. Wir genossen derweil noch einmal die herrliche Seeluft, ließen uns den Wind um die Nase pusten und unterhielten uns über alles Mögliche. Ich genieße solche Momente mit meinem Papa immer sehr. Als wir wieder zur Unterkunft kamen, war es schön zu sehen, wie liebevoll meine Mama sich die ganze Zeit um den Kleinen gekümmert hatte. Die ganze Zeit (eine gute Stunde) saß sie auf dem Fliesenboden neben seiner Wippe und bespaßte ihn: wippen, Nuckel halten oder bei Bedarf neu einschieben, wippen. Bis er kurz davor war einzuschlafen…

Am nächsten Morgen frühstückten wir noch einmal mit frischen Bäckerbrötchen und machten uns im Anschluss ans Packen. Die Zeit verflog wie im Flug, wir übergaben die Schlüssel und es ging wieder Richtung Berlin.

Ostsee mit Wellenbrecher

Falls ihr noch Fragen habt oder Tipps, was man sich unbedingt noch ansehen sollte (für alle, die das erste Mal in die Gegend kommen, aber auch für uns, denn wir werden sicher mit dem Papa noch einmal wiederkommen), dann immer her damit. Hinterlasst sie gern hier als Kommentar oder auf Instagram oder Facebook. Ich freue mich darauf.

 

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